Muttergefühle

Gewalt gegen Kinder – Und es schadet doch!

In den letzten Tagen gab es eine Diskussion in einer Facebookgruppe zum Thema „Gewalt an Kindern“. Es ging um erzieherische Maßregelungen wie „Klapps auf den Po“ oder auf die Finger hauen. In den Kommentaren wurde ein solches Verhalten gerechtfertigt mit: „Sonst tanzt das Kind auf der Nase herum“ oder „Mir hat das auch nicht geschadet“.

Anscheinend ist es noch nicht bei jedem angekommen, dass es 1. Verboten ist Kinder zu schlagen (Ja auch ein Klapps auf den Po ist schlagen) und 2. Doch! Es schadet!

„Dir hat dass doch auch nicht geschadet. Aus dir ist doch was geworden“

Ja, aus mir ist etwas geworden. Ich bin nicht drogensüchtig oder straffällig. Es gibt auch keine Depression oder sonstige psychisch auffällige Erkrankung und doch hat mich meine Erziehung geprägt. Mein Vater ist ein dominanter Mann. Sätze wie „Wer hören will muss fühlen“ oder „Wenn ich rede bist du still“, „Heul nicht rum“, „Was hast du schon für Sorgen“ (ich könnte ewig so weiter machen), kenne ich zu genüge. Ich habe oft genug gehört, dass ich nicht richtig bin, nicht gut genug und sowieso Schuld an allem. Ich konnte es meinen Eltern nie recht machen. Dazu kam der ein oder andere „Klapps auf den Po“, hier und da mal eine Ohrfeige und selbstverständlich als Kleinkind auch mal ein paar auf die Finger. Ich wurde also nicht „schwer misshandelt“, so wie man es vielleicht manchmal in den Medien hört. Auf mir wurden keine Zigaretten ausgemacht, ich wurde nicht grün und blau geprügelt und dennoch hat es mir geschadet. Denn ich habe Vertrauen verloren zu den Menschen, denen ich als Kind vollkommen ausgeliefert war.

Folglich war ich ein stilles Kind, angepasst. Ich habe versucht nicht all zu viel Lärm zu machen und vor allem wollte ich es meinen Eltern recht machen. Einfach um auch mal ein „Gut gemacht“ zu hören. Erst sehr spät wurde mir klar, dass ich das nicht bekommen werde und es mich auch nicht versöhnen wird.

Aber jetzt ist doch wieder alles gut, oder?

NEIN, leider ist es das nicht.

Zum einen habe ich keine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung kennen gelernt. Ich wurde nie in den Arm genommen, geküsst oder gar gekuschelt. Das macht es mir heute als Mutter oft schwer. Ich reagiere häufig nicht so wie ich es mir wünsche, sondern eher so, wie meine Mutter reagiert hat. Das stimmt mich wirklich traurig, aber ich arbeite an mir. Und wenn ich dann doch einmal unfair reagiere entschuldige ich mich aufrichtig bei meinen Kindern. Ich möchte nicht, dass sie sich aufgrund meines Fehlverhaltens schuldig fühlen.

Zum anderen hat es mir dahingehend geschadet, dass mir Urvertrauen fehlt. Ich verlasse mich am Liebsten nur auf mich selbst. Vertrauen aufbauen ist sehr schwer für mich und noch schwieriger ist es eine Bindung zu schaffen. Ich habe richtig Angst vor festen Bindungen, denn ich habe vor dem Liebsten und den Kindern nie eine erlebt. Im Laufe meines bisherigen Lebens konnte ich auch keine tieferen Freundschaften eingehen.  Vertrauen, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Geborgenheit kenne ich erst jetzt durch meine Familie.

Den Schaden den wir hier anrichten sehen wir nicht immer auf den ersten Blick. Es muss auch keine schwere psychische Erkrankung folgen. Aber es verändert etwas in uns. Gewalt gegen uns, körperlich oder seelisch macht etwas mit uns. Es macht uns klein. Es kränkt uns. Es nimmt uns das Vertrauen. Es zeigt uns wie verletzlich wir sind. Jedem Erwachsenen dem Gewalt angetan wurde, kennt diese Gefühle und doch geben wir sie an unsere Kinder weiter. Wir nehmen ihnen ihre Leichtigkeit und Unbeschwertheit, das Vertrauen darauf, dass sie unverletzlich sind.

Meine Eltern sind noch heute der Überzeugung, dass bei uns alles gut gelaufen ist. Die Schreie und Schläge wurden vergessen, erzählt wird nur von den glücklichen Momenten (ja die gab es auch). Wenn ich jedoch an meine Kindheit denke, dann sind es genau die anderen Momente.

Eure

Lila♥

 

2 Kommentare zu „Gewalt gegen Kinder – Und es schadet doch!

  1. Ich stelle es mir besonders schwer vor, die Vergangenheit zu akzeptieren und ruhen zu lassen, wenn man gleichzeitig weiß, dass sich der Gegenüber nichtmal einer Schuld bewusst ist. Ich finde es schön, dass du es bei deinen Kindern anders machst und dagegen ankämpfst, wie du es beigebracht bekommen hast. Hut ab!

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    1. Hätte ich keine Kinder, dann bin ich mir sicher, dass ich den Kontakt abgebrochen hätte. Aber da sie gute Großeltern sind wollte ich nicht meine Geschichte auf meine Kinder abwälzen. Das mit dem „anders machen“ ist so eine Sache, denn ich merke sehr oft das ich an meine Grenzen komme. Ich muss mich selbst viel reflektieren und mein Handeln überdenken. Das fällt mir nicht immer leicht und oft bin ich mit mir nicht zufrieden.

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