Muttergefühle

Bedürfnisorientierung – ein Beispiel

Bedürfnisorientierung im Alltag ist manchmal nicht ganz einfach. Wir sind vier Personen, jeder von uns hat Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen und nicht immer ist das möglich. Vor allem wir Erwachsene stecken häufig zurück. Das ist für uns so auch völlig in Ordnung, denn die Bedürfnisse unserer Kinder wiegen weit aus mehr! Ich bin mir sicher, dass das in jeder Familie so ist. Dennoch höre ich oft, dass ich meine Kinder unnötig verwöhne und sie mir „auf der Nase herumtanzen“. Dabei erfülle ich längst nicht alle Wünsche! Von außen ist es jedoch oft nicht erkennbar was jetzt reine Wunscherfüllung ist und wo vielleicht doch ein wichtiges Bedürfnis dahinter steckt.

Gestern hatte ich beispielsweise eine Situation mit meinem großen Sohn die mir gezeigt hat, wie wichtig es ist auch Wünsche genau im Blick zu haben und sensibel darauf zu reagieren:

Die Kinder haben seit Tagen nachts starken Husten. Zum Schlafen komme ich kaum und die Schwangerschaft tut ihr übriges. Gestern Nachmittag war ich dann einfach nur noch müde! Ich war so sehr erschöpft und sehnte mich nach etwas Ruhe und Entspannung. Als der Papa von der Arbeit kam und mit den Kindern spielte, habe ich mich ins Bett gelegt und wollte einfach nur kurz die Beine hoch legen. Mein Sohn kam zu mir und bat mich mit ihm „Schule“ zu spielen. Ich habe ihm erklärt, dass ich mich kurz ausruhe und dann gerne mit ihm spiele. Daraufhin ist er sehr traurig in sein Zimmer gegangen. Er wollte auch nicht mit dem Papa oder seiner Schwester spielen. Sein Wunsch war es „Schule“ zu spielen, aber dahinter steckte ganz klar ein Bedürfnis nach Nähe und Aufmerksamkeit durch mich.

Sicherlich hätte ich einfach ein paar Minuten liegen bleiben und dann erst zu ihm rüber gehen können. Das wäre genauso richtig gewesen und ich hätte ja definitiv mit ihm gespielt. Aber ich habe gemerkt, dass das nicht warten kann und er jetzt im Moment sehr traurig ist. So oft muss er warten und zurückstecken, weil ich mich zuerst um seine kleine Schwester kümmern muss und mit dem nächsten Baby wird es auch nicht einfacher für ihn. Sein Bedürfnis nach Nähe wiegt damit viel mehr als mein Bedürfnis nach Ruhe. Ich bin natürlich weiterhin erschöpft, aber ich bin deswegen nicht traurig. Ich kann mich auch ausruhen, wenn meine Kinder im Bett sind. Er jedoch bekommt nicht so oft die Gelegenheit alleine mit Mama zu sein.

Ich bin also aufgestanden um mit ihm zu spielen! Ich habe sein Bedürfnis erfüllt. Gab ihm die Nähe und Aufmerksamkeit die er so sehr benötigt hat. Und mein aufmerksamer, lieber Junge hat genau bemerkt, dass ich sehr müde bin und dringend etwas Erholung benötige.  Er hat mir also sein bequemes Sitzkissen angeboten, damit ich schön weich sitzen und mich einfach beim Spielen etwas ausruhen kann.

Er hat Rücksicht auf mich genommen und wir hatte eine tolle Spielzeit zusammen. Beide haben wir wahrgenommen was der jeweils andere benötigt. Natürlich war ich danach weiterhin müde und erschöpft, aber er hat mein Bedürfnis erkannt und danach gehandelt. Ich hab mich somit gut gefühlt und mich kein bisschen darüber geärgert, dass ich „nachgegeben“ habe.

Bedürfnisortientierung geht nicht nur von den Eltern aus. Wenn wir die Bedürfnisse unserer Kinder sehen und darauf reagieren, bekommen auch wir etwas zurück. Sicherlich nicht immer, aber doch sehr oft. Auch ich werde gesehen und meine Kinder möchten das es mir gut geht. Das bestärkt mich in der Art unseres Zusammenlebens sehr!

In anderen Situationen akzeptiert er übrigens durchaus, dass ich vielleicht nicht sofort etwas für ihn tun kann. Dann reagiert er jedoch anders – er kommuniziert, dass es in Ordnung ist zu warten oder ärgert sich kurz. Wenn er einfach geht und kein Wort sagt, weiß ich, dass es dringend ist.

 

Eure

Lila ♥


 

 

2 Kommentare zu „Bedürfnisorientierung – ein Beispiel

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