Muttergefühle

Attachment Parenting – Mein Weg zur Selbstfürsorge

Die liebe Susanne Mierau ruft zur Blogparade auf zum Thema „Selbstfürsorge und Attachment Parenting bedeuten für mich…“. Da mache ich natürlich sehr gerne mit. Auch weil mich der Artikel in der Zeit, der kürzlich über AP erschienen ist, doch sehr verwundert hat. Da hat wohl jemand sehr provozieren wollen oder tatsächlich rein gar nichts verstanden.

Mein Weg zu Attachment Parenting (AP)

Als ich zum ersten Mal Mutter wurde kannte ich AP nicht. Es kann zwar schon sein, dass ich es mal gelesen habe, irgendwo, aber bei solchen sperrigen Begriffen, da sperrt sich in mir auch meist alles und ich lese gar nicht weiter. Und ehrlich gesagt, hängen mir Theorien und Konzepte meist so ziemlich zum Hals raus, als Sozpäd hat man ja im Laufe seines Studiums quasi nichts anderes gehört. Und dennoch wurde dieses AP ein Befreiungsschlag für mich!

Aber von vorne…

Wie wahrscheinlich jede Neumama war ich anfangs total überfordert und angewiesen auf Menschen die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber was mir da angeraten wurde von meiner Hebamme, meiner Mutter, Freundinnen, Kinderärzte, PEKIP-Kursleiterinnen und vielen mehr, hat unseren Alltag nicht wirklich erleichtert und es hat sich auch nicht gut angefühlt. Stillen wollte ich unbedingt und das habe ich mir wirklich hart erkämpft, aber einschlafstillen ging ja gar nicht. Also saß ich jeden Abend stundenlang neben einem unzufriedenen Baby am Bett, denn in mein Bett ging ja auch nicht (da geht er sonst nie wieder raus). Er muss alleine einschlafen lernen, also haben Schlaflernprogramme Einzug gehalten. Das war furchtbar und ich musste schon am ersten Abend abbrechen. Es war für mich nicht aushaltbar. Und schon wieder kamen die Vorwürfe. Ich habe mit 7 Monaten abgestillt, weil er ja unbedingt endlich was richtiges essen musste und ich habe lange darunter gelitten. Ich war müde, frustriert und dadurch viel zu oft nicht so wie ich sein wollte. Das führte zu vielen Selbstzweifel. Nicht nur einmal kamen mir abends im Bett die Tränen, weil ich einfach nicht mehr konnte, weil ich all den Anforderungen nicht gerecht wurde. Ich muss leider sagen, dass das erste Jahr mit meinem Sohn für mich keine schöne Zeit war. Ich war froh als es vorbei war.

Als ich mit dem kleinen Wirbelwind schwanger wurde, bin ich über den Begriff „bedürfnisorientiert“ gestolpert und habe mich eingelesen. Ich bin in keinster weise Experte für AP oder kann gar die Theorie wiedergeben, aber das brauche ich auch nicht. Denn im Grunde ist AP eigentlich doch nur der von der Natur vorgegebene Weg mit unseren Kindern zu leben. AP zeigt mir auf, dass ich mich loslösen kann. Loslösen von festgefahrenen Denkmustern, von anerzogenen Regeln und von den Meinungen anderer. Eigentlich muss ich nur eins tun und zwar auf mich und meine Kinder hören.

Was sagt AP?

Liebe, Nähe, Geborgenheit, Körperkontakt, bedarfsorientiertes Stillen, Tragen, begleitendes schlafen, Beachtung der Körpersignale, Verzicht auf Schlaftraining und Balance der Bedürfnisse von Kind und Mutter.

Jedes Kind braucht Nähe, Geborgenheit und Körperkontakt. Stillen ist die natürlichste Art der Nahrungsaufnahme und das dies nicht zu festgelegten Zeiten geschehen kann ist doch selbstverständlich. Was würdest du machen, wenn ich dir sage das du nur noch alle 4 Stunden ein Glas Wasser bekommst? Das geht doch mal gar nicht. Und jede Mutter trägt ihr Kind. Es ist ja kein Stück die Rede davon, dass ich mein Kind 24h am Tag im Tragetuch haben soll. Aber wenn es weint und wenn es das ist was mein Baby braucht, dann ist es doch kein Problem. Begleitendes schlafen bedeutet auch nicht zwangsläufig „Familienbett“. Es bedeutet, dass ich mein Kind nicht in den Schlaf schreien lasse. In welchem Bett das geschieht ist doch vollkommen unerheblich. Ich begleite liebevoll und zeige das ich da bin. Ich achte auf die Signale meines Kindes. Wenn es traurig ist, Schmerzen hat, müde ist, Hunger hat, dann bin ich da und versuche, soweit möglich, seien Bedürfnisse zu befriedigen. Ich denke zu Schlaftrainings muss ich mich nicht äußern. Sie sind furchtbar und haben nichts mit „kindgerecht“ zu tun. Der allerwichtigste Punkt: All das geschieht nicht unter kompletter Selbstaufgabe der Mutter, sondern in Abwägung der eigenen Bedürfnisse. Es geht um eine Balance der Bedürfnisse! Denn das hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt das auch ich ein Recht auf meine Bedürfnisse habe.

Für mich ist AP ein anderes Wort für „Bauchgefühl“ und „Nächstenliebe“.

Selbstaufgabe ja oder nein?

AP ist der natürliche Umgang mit unseren Kindern. Dabei geht es nicht darum dogmatisch zu sein. Es geht nicht darum, dass jeder bis zur Einschulung stillen muss oder das meine Kinder auf ewig im Familienbett schlafen müssen. Wenn mich das stört, wenn unsere Bedürfnisse hier nicht mehr konform gehen, dann müssen wir einen anderen Weg finden. Aber ich nehme meine Kinder ernst und begleite sie in ihren Gefühlen und Empfindungen.

Wer sich selbst aufgibt, hat nicht gelernt für sich zu sorgen. Damit hat aber „Bedürfnisorientierung“ so gar nichts zu tun. Ich denke es ist wichtig das jeder Mensch, egal ob Mutter/Vater oder nicht, im Laufe seines Lebens lernen muss Selbsthygiene zu betreiben, auf sich zu achten und sich Ruheinseln zu schaffen.

Was ich damit sagen will

Auch mir als Mutter muss es gut gehen. Ich darf „Nein“ sagen. Ich muss sogar. Und zwar nicht weil es sich so gehört oder weil es andere sagen, sondern weil eine persönliche Grenze erreicht ist und ich auch wichtig bin. Das ist nicht egoistisch, das ist gesund! Jede Mutter stellt automatisch ihre Bedürfnisse hinter der ihrer Kinder an, dafür braucht es keine Theorie. Aber manchmal, in wahrscheinlich wirklich sehr seltenen Momenten unseres Alltags, da geht das einfach nicht. Und meine Kinder haben das Recht verärgert zu sein und das total doof zu finden. AP bedeutet dann für mich, dass ich ihnen nicht sage, dass sie sich nicht so haben sollen oder das es doch nicht so schlimm ist, sondern das ich für sie da bin und ich Verständnis für ihren Kummer habe.

AP hat für mich mit Liebe und Fürsorge zu tun, meinen Kindern, meinem Partner und mir selbst gegenüber und nicht mit Aufopferung und Selbstaufgabe.

Selbstfürsorge ist wichtig! Aber wie?

Und dieses Wissen, dass es okay ist das ich mich um mich selbst kümmere, das ich mir Zeiten nur für mich nehme und trotzdem meine Kinder bedürfnisorientiert aufwachsen, hat mich dazu gebracht auch besser für mich zu sorgen.

Und so tue ich das:

  1. Ich habe einen Mann! Dieser Mann hat sich mit mir dazu entschieden Kinder zu haben und damit ist er gleichberechtigt mit mir auch für saubere Windeln, Essen, spielen, kuscheln, tragen etc. verantwortlich. Wenn ich Zeit für mich brauche, ausgehen möchte, Sport treiben oder auch nur in Ruhe einen Kaffee trinken will, dann übernimmt er.
  2. Wenn mein Mann nicht da ist, dann wäge ich ab. Ich frage mich, welches Bedürfnis zuerst erfüllt werden muss. Und ja ich gebe zu, erst kommen die Kinder. Aber dann komme auch mal ich. Dann pflege ich mich im Bad oder trinke in Ruhe einen Kaffee und die Kinder können dabei sein oder eben auch nicht.
  3. Es dürfen auch mal Dinge unerledigt bleiben. Das muss ich allerdings tatsächlich noch etwas besser lernen.
  4. Und wenn mal gar nichts mehr geht, ein Kinderfilm geht immer. Die Kinder fernsehen und essen Schoki und ich kann die Beine hochlegen. Da hat doch dann jeder was davon.

Also tut euch was gutes! Und denkt nicht zu dogmatisch.

Jede Mutter ist die beste Mutter für ihr Kind! Es gibt viele Wege die zu einer guten Bindung führen, ob man das jetzt AP nenne möchte oder nicht. Ich bin mir aber sicher das Liebe, Nähe, Verständnis und Achtsamkeit immer Bestandteil einer guten Bindung sein sollten.

Eure

Lila♥

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