Schwangerschaft

Der Kaiserschnitt als Alternative zur natürlichen Geburt – Meine Gedanken

In weniger als zwei Wochen werde ich das dritte und letzte Mal Mama. Dies ist meine letzte Schwangerschaft und es wird meine letzte Geburt sein. Daher sollen sich die nächsten Blogbeiträge bis zur Geburt hauptsächlich mit dem Thema „Schwangerschaft und Geburt“ befassen.

Starten möchte ich mit dem Thema „Kaiserschnitt“. Ich selbst hatte bereits zwei. Wie es dazu kam, erfahrt ihr in den noch folgenden Geburtsberichten. In diesem Beitrag soll es um meine Sichtweise dazu gehen. Ich erlebe nämlich in den sozialen Netzwerken immer wieder wie sehr das Thema polarisiert und wie sehr sich Mütter hier gegenseitig den Krieg erklären. Es scheint ein ähnliches Streitthema wie „Stillen oder nicht“ zu sein.

Als Kaiserschnittmama wird man sehr schnell abgestempelt. Vom Gegenüber bekommt man vermittelt, dass man es sich selbst wohl leicht machen wollte. Das man sich Schmerzen ersparen wollte. Das geht soweit, dass Mütter sich untereinander in Foren unterstellen keine wirkliche Geburt gehabt zu haben.

Da frage ich mich, ist eine Frau nur dann eine Mutter, wenn sie ihr Kind unter stundenlangen Wehen natürlich entbunden hat? Was ist mit der anderen Mutter? Der die ihr Kind im kalten OP bekommen hat? Die danach starke Schmerzen hatte? Die vielleicht ja gar keine Wahl hatte? Ist das keine Mutter? Hat sie kein Kind bekommen?

Jede Geburt ist anders

Eine Geburt ist Privatsache. Manche Frauen erleben eine furchtbar schmerzhafte Geburt, mit Geburtsverletzungen die ihnen noch lange Sorgen bereiten. Andere Frauen dagegen fällt das Kind quasi einfach in die Arme, überspitzt gesagt. Sie sind danach fit und haben keiner großen Beschwerden. Und genau so ist es beim Kaiserschnitt. Für manche eine schöne Erfahrung ohne Probleme. Und für andere ein schlimmes Erlebnis mit furchtbaren Gefühlen und Schmerzen die einen noch lange begleiten. Keiner weiß wie die Geburt verlaufen wird. Jede Geburt ist anders. Und dennoch sind wir alle am Ende Mütter. Wir alle haben nach diesem Erlebnis ein Kind geboren. Auch nach einem Kaiserschnitt bin ich Mutter und habe ein Kind. Und dieser Weg ist keinesfalls der einfachere, auch wenn dies immer gerne so dargestellt wird. Einfacher ist es nur für die Klinik. Es ist planbar, geht schnell und bringt auch ein bisschen mehr Geld.

Kaiserschnitt – Eine Alternative?

Jede dritte Geburt in Deutschland findet bereits im OP statt. Diese Entwicklung erschreckt mich. Ich frage mich wie das sein kann. Ich frage mich, ob es wirklich so viele medizinisch notwendige Kaiserschnitte gibt? Wird nicht zu oft zu früh gehandelt? Wird Frauen nicht unnötig Angst gemacht? Stellen Kliniken nicht viel zu oft ihre eigenen Vorteile über die der Patientinnen? Wird eine Kaiserschnittromantik suggeriert die es so gar nicht gibt? Entscheiden sich wirklich so viele Frauen für einen operativen Eingriff in einem kalten OP mit allen verbundenen Risiken? Ich persönlich kann das kaum glauben und ehrlich gesagt auch wenig verstehen.

Dabei möchte ich dem Kaiserschnitt auf keinen Fall seine Daseinsberechtigung absprechen. Die hat er auf jeden Fall! Er ist eine medizinische Errungenschaft und sichert uns das Überleben bei schwierigen Geburten. Er ist eine Lösung in einer gefährlichen Situation. Ein Ausweg, dann wenn unser Körper nicht mehr kann.

Als mehr kann ich diesen Eingriff nicht ansehen. Zumindest bis jetzt. Für mich wäre er nie eine Alternative zur natürlichen Geburt. Ich knüpfe daran keine positiven Gefühle, außer eins und das ist mein Baby. Denn ohne Kaiserschnitt wären wir wahrscheinlich nicht mehr hier.

Was ich mir wünsche!

Ich wünsche mir mehr Aufklärung über das Thema „Kaiserschnitt“ seitens von Ärzten und Hebammen. Ich habe das Gefühl, dass zu schnell zur operativen Lösung gegriffen wird. Nach meinem ersten Kaiserschnitt wurde mir in meiner zweiten Schwangerschaft in der Klinik sofort wieder zur OP geraten. Mit allerlei Vorteilen wollte man mir diese Art der Geburt schmackhaft machen.

Jede Frau hat das Recht zu entbinden wie sie es möchte. Das Thema „Wunschkaiserschnitt“ kann man kritisch sehen und das tue ich auch. Ich sehe die Verantwortung hier aber in den Kliniken und nicht bei den Frauen. Denn meistens steht doch hinter diesem Wunsch die Angst vor einer natürlichen Geburt, die Angst um das eigene Kind. Ich wünsche mir, dass wir Mütter zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen. Jede persönliche Entscheidung sollte respektiert werden und wir haben kein Recht darüber zu werten.

Tolle Beiträge zur Thematik findet ihr auch hier bei:

zweitoechter – Wunschkaiserschnitt – Interview über die Akzeptanz einer selbstbestimmten Geburtsform

BloggerMumof3Boys – Kaiserschnitt – ich hatte drei Sectios 

Frau Raufuss – Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht

Einer schreit immer – Kaiserschnitt: Mehr als eine Narbe bleibt zurück …

 

Wie steht ihr diesem Thema gegenüber? Hattet ihr vielleicht selbst einen Kaiserschnitt?

Eure,

Lila♥

 

7 Kommentare zu „Der Kaiserschnitt als Alternative zur natürlichen Geburt – Meine Gedanken

  1. Schöne Worte. Ich hatte im Juni einen Kaiserschnitt, geplant und beim ersten Kind. Sie lag in Beckenendlage und das nächste KH, dass eine natürliche Geburt dabei machen würde war 50km weg. Ich entschied mich für das Krankenhaus vor Ort und den Kaiserschnitt. Das Gefühl mich zu rechtfertigen kenne ich nur zu genüge und die Tage im Krankenhaus nach der Geburt waren die Hölle (ok ich mag Krankenhäuser jetzt auch nicht so gerne, aber die schmerzen danach kann man sich echt nur vorstellen wenn man einen hatte). Der Kaiserschnitt verlief zum Glück ohne Probleme und da er geplant war, sehr ruhig. Mein Mann konnte so auch die ganze zeit bei mir sein. Das Bonding musste er dann die ersten Minuten übernehmen.

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    1. Du Arme! Bei mir war gar nichts „die Hölle“, ich hatte vor dem ersten Kaiserschnitt solche Angst vor den Schmerzen und sie waren wirklich ziemlich harmlos. Die Wehen waren tausendfach schlimmer. Beim ersten Kind hat auch der Papa das Bonding gemacht, aber der dritte war nicht von mir getrennt. Zum Glück machen immer mehr Krankenhäuser babyfreundliche Sectios.

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    2. Naja im Endeffekt: was wäre wenn wir diese Möglichkeit nicht hätten, viele Kinder oder die Mütter würden die Geburt wahrscheinlich nicht überleben. Also lieber eine Op und ein gesundes Kind und Mama, als eine natürliche Geburt mit bösem Ende. Wir sollten dankbar für den medizinischen Fortschritt sein.

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  2. Oh ich weiß nur zu gut, was Du meinst. Ich habe auch 3 Kinder, die alle per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind. Dieser Stempel, der zur eigenen Verarbeitung noch hinzu kommt, macht das Thema noch schwieriger, als es ohnehin schon ist.
    Aktuell hab ich eine Gastartikel- und Interview-Reihe genau zu dem Thema laufen und diese zeigt mir wieder, wie unterschiedlich Geburten sind – denn das sind sie alle: GEBURTEN! Es wäre schön, wenn das von allen Seiten akzeptiert würde, ohne die Mütter zu stigmatisieren.
    Alles Liebe für Deine 3. Geburt! ❤
    Tanja

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    1. Akzeptanz ist meistens der Schlüssel für eine mögliche Kommunikation über ein solches Thema. Das fehlt mir oft. Manchmal würde es ja schon reichen nachzufragen, anstatt abzustempeln. Ich schau gleich mal bei dir vorbei!
      Vielen Dank!

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  3. Ich hatte zwei Kaiserschnitte und beide waren unumgänglich. Meine Schmerzen nach der Geburt waren erträglich und nach jeweils vier Tagen fuhr ich mit gesunden Kindern nach Hause. Und das war im Nachhinein auch das Einzige, was für mich wirklich gezählt hat.

    Meinen Bericht gibts bei Tanja zu lesen 🙂 Sie hat ja oben auch schon geschrieben, ich verlinke hier noch mal direkt. http://leben-lieben-larifari.de/2017/08/23/gastartikel-geburt-kinder-dankbarkeit-not-kaiserschnitt/

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