Schwangerschaft

HELLP – Dramatisches Ende meiner 1. Schwangerschaft

In weniger als zwei Wochen kommt unser drittes Kind zur Welt. Ich habe mich bewusst für eine bestimmte Art der Geburt entschieden. Bevor ich aber darüber berichte und den Ablauf der Planung vorstelle, möchte ich über die beiden ersten Geburten schreiben. Denn hier hat sich für mich ganz deutlich gezeigt wie wenig planbar Geburten sind. Egal was wir uns vornehmen, es kann doch ganz anders kommen.

Ich hätte nie gedacht das meine erste Schwangerschaft so abrupt und dramatisch endet.

Eine unkomplizierte Schwangerschaft

Meine erste Schwangerschaft verlief ganz und gar unkompliziert. Ich hatte mit keinerlei Beschwerden zu kämpfen. Mir war nie schlecht, ich war nicht müde, nicht ausgelaugt. Ich war fit, habe Sport gemacht und mich wohl gefühlt. Meine Werte waren die ganze Zeit im Normalbereich. Nichts deutete auf eine Erkrankung oder dergleichen hin. Ich hatte immer einen normalen Blutdruck, habe nur 10 Kilo an Gewicht zugenommen und auch mein Blutzucker war gut. Es war alles super!

Doch dann kam alles anders…

Fünf Tage vor dem Entbindungstermin fühlte ich mich abends nicht mehr ganz so wohl. Mir war übel und ich bekam schlecht Luft. Ich hatte Schmerzen im Oberbauch und im oberen Rücken. Ich nahm all diese Symptome nicht sehr ernst und schob es eher darauf, dass mein Baby sehr groß geschätzt wurde und ich durch meine kleine Körpergröße einfach kein Platz für Lunge und Magen habe. Ich hielt es für normale Erscheinungen am Ende einer Schwangerschaft. Ich war an diesem Abend alleine zu Hause und bin sehr früh ins Bett gegangen. Leider konnte ich einfach nicht schlafen. Um 06:00 Uhr bin ich endgültig aufgestanden und habe den Liebsten geweckt.

Ich war mir nicht sicher ob ich Wehen habe oder nicht. Ich erinnerte mich daran, dass die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs gesagt hat, dass wenn wir uns nicht sicher sind, dann sollen wir baden. Wenn die Schmerzen danach immer noch da sind, dann sind es Wehen. Also lies ich mir ein Bad ein und tatsächlich hatte ich im warmen Wasser weniger Schmerzen. Es tat mir unglaublich gut und ich war beruhigt. Als ich aber aus der Badewanne stieg ging es mir plötzlich noch schlechter. Ich bekam schlecht Luft und konnte vor Schmerzen kaum noch stehen. Wir sind sofort in die Klinik gefahren.

Notkaiserschnitt als letzter Ausweg

Der Liebste fand nicht gleich einen Parkplatz und ich bin beim Eingang ausgestiegen. Ich konnte nicht länger warten. Ich bin rauf zum Kreißsaal, habe geklingelt und der ersten Hebamme die ich gesehen habe meinen Mutterpass hingehalten. Was die Hebamme zu mir gesagt hat, werde ich nie vergessen. Anstelle von einem stützenden Arm bekam ich nur ein „Und was soll ich damit?“ entgegen geschmettert. Sehr beruhigend. Sie brachte mich in einen Geburtsraum, schloss mich ans CTG an und ging weg. Als der Liebste kam war ich kaum noch bei Bewusstsein. Ich kann mich selbst nur noch an Bruchstücke erinnern. Ich weiß, dass er Hilfe holte. Ich weiß, dass das Atmen mir so schwer fiel und das ich gemerkt habe, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Es kam eine Ärztin, ich glaube mir wurde ein Zugang gelegt und Blut abgenommen. Es ging alles so schnell. Ich bekam einen Blasenkatheter und mir wurde mitgeteilt, dass meine Situation lebensbedrohlich ist und sofort die Schwangerschaft beendet werden muss. Innerhalb weniger Minuten lag ich im OP. Der Liebste durfte nicht mit und musste völlig aufgelöst draussen warten. Ich hatte furchtbare Angst vor einer Vollnarkose und bat um eine Spinalanästhesie, die Ärztin stimmte zu. Der Anästhesist brauchte drei Anläufe bis diese saß. Obwohl so viele Menschen da waren, habe ich mich doch sehr alleine gefühlt. Eigentlich sollte doch mein Mann bei mir sein. Zum Glück war da eine wirklich sehr nette Krankenschwester die mich immer wieder beruhigte. Alles ging so schnell und ein paar Minuten später war mein kleiner Junge da. Ich durfte ihn nur ganz kurz sehen, dann wurde er weggebracht. Mein Schnitt wurde geklammert und ich wurde aus dem OP gefahren. Für mich hat das alles ewig gedauert. Ich kam in einen Aufwachraum. Dort lag ich dann und habe ganz fürchterlich gefroren. Noch nie war mir so kalt. Eine Schwester brachte mir eine elektrische Heizdecke, da wurde es etwas besser. Ich weiß nicht mehr wie lange ich in dem Raum war und ich kann mich auch nicht an den Weg auf die Intensivstation erinnern.

Intensivstation

Ich wusste immer noch nicht was los war und ich wusste nicht was mit meinem Baby ist. Wahrscheinlich waren es nur ein paar Minuten, aber für mich fühlte es sich wie eine Ewigkeit an bis ich endlich meinen kleinen Jungen sehen konnte. Der Liebste kam mit Baby und Hebamme zu mir. Zum Glück ging es ihm gut! Die Hebamme gab mir mein Baby in den Arm legte ihn mir an die Brust und sagte, dass sie in einer halben Stunde wieder kommt – ich habe sie nie wieder gesehen. Kurz darauf kam die Gynäkologin die mich auch operiert hat. Nach der absolut katastrophalen Hebamme war diese Frau wirklich ein Lichtblick. Sie erklärte mir ruhig, dass ich ein HELLP-Syndrom entwickelt habe. Davon hab ich zuvor noch nie etwas gehört. Ich wusste zwar, dass viele Frauen in der Schwangerschaft eine Präeklampsie entwickeln, aber das Syndrom war mir neu.

HELLP-Syndrom

„Das HELLP-Syndrom (hemolysis = Auflösung der roten Blutkörperchen, elevated liver enzymes = Erhöhung der Leberwerte, low platelet count = Verminderung der Blutplättchen) ist die gefährlichste Komplikation einer Gestose, weil sie die Blutbildung und Blutgerinnung stark beeinträchtigt. Diese schwerwiegende Störung der Leberfunktion tritt einmal unter ca. 150 bis 300 Schwangerschaften auf. Das HELLP-Syndrom kann auch unabhängig von einer Präeklampsie auftreten. Laut Statistik tritt es einmal bei 150 bis 300 Schwangeren auf. Das Wiederholungsrisiko liegt bei 5 – 19%. Das HELLP-Syndrom wird durch die Geburt nicht verkürzt oder unterbrochen. Ca. 30 % treten erst nach der Geburt auf. Die Erkrankung dauert drei bis vier Tage.“

Es war zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher wie sich mein Körper davon erholen wird. Eine Bluttransfusion stand im Raum. Um sicher zu gehen, dass meine Organe keinen Schaden genommen haben musste ich ins CT. Ich bekam also ein Kontrastmittel gespritzt und durfte die ersten 24h nicht stillen. Für mich war das furchtbar. Ich konnte mein Baby nicht normal gebären, hatte weiterhin große Schmerzen, war an einem Schmerztropf angeschlossen, lag auf der Intensivstation, aus meinem Körper kamen Schläuche und jetzt sollte ich nicht mal stillen dürfen. Gut, dass ich so voll gedröhnt mit Medikamenten war, ansonsten hätte ich wahrscheinlich nur noch geheult. Im CT war alles soweit in Ordnung und nach einigen Stunden haben sich meine Blutwerte schon wieder etwas erholt.

Auf der Intensivstation war wirklich ganz tolles Personal. Sie haben sich so gut um mich gekümmert. Eigentlich sind Kinder auf der Station nicht erlaubt, aber es wurde eine Ausnahme gemacht und ich konnte mein Baby tagsüber bei mir haben. Der Liebste war den ganzen Tag da und ging erst als er „raus geschmissen“ wurde. Bis ich mit dem Stillen beginnen konnte haben nur wir beide unserem Baby die Flasche gegeben. Tagsüber war das kein Problem, weil sich der Liebste um alles gekümmert hat. Aber nachts war es ein riesen Umstand für die zuständigen Schwestern. Also wurde mir der Kleine gebracht, aber nicht mehr abgeholt. Da lag ich, an Maschinen angeschlossen, bewegungslos und vollgepumpt mit Schmerzmitteln, hatte ein Neugeborenes im Arm und sollte alle zwei Stunden abpumpen um die Milchbildung anzuregen.

Trotz allem war ich nicht völlig verzweifelt, sondern einfach nur so unglaublich dankbar dafür, dass es meinem wundervollen kleinen Jungen gut ging.

Nach 3 Tagen auf Normalstation

Eigentlich war es grundsätzlich ja etwas Gutes, dass ich von der Intensivstation runter durfte, aber ich wäre gerne dort geblieben. Denn dort hat man sich um mich gekümmert. Auf der Geburtsstation war plötzlich niemand mehr da. Niemand der mir mit meinem Baby geholfen hat. Niemand der mir gezeigt hat wie ich richtig anlege. Hier habe ich mich das erste Mal so richtig alleine gefühlt. Ich wollte nur noch nach Hause. Dazu kam, dass ich in ein Zimmer verlegt wurde, indem eine  Schwangere mit vorzeitigen Wehen lag die viel Ruhe brauchte. Wie das mit einem Neugeborenen im Raum funktionieren sollte darüber hat sich wohl keiner Gedanken gemacht. Bisher war ich noch nicht aufgestanden, dass musste ich aber jetzt. Mir wurde Katheter und Drainagen gezogen und ab dem Moment als ich aufrecht stehen konnte war ich quasi auf mich allein gestellt.

Stillprobleme

Ich hatte große Schwierigkeiten mit dem Stillen. Es wollte nicht so klappen wie ich mir das vorgestellt habe. Ich hatte solche Angst, dass es am Ende gar nicht funktioniert. Ich wollte unbedingt stillen. Ich hatte das Gefühl, dass ich aufgrund des Kaiserschnitts schon versagt habe, da muss wenigstens das klappen. Leider bekam ich in der Klinik keine Hilfe. Also saß ich da die ganze Nacht im Stillzimmer und habe meinen kleinen Jungen immer wieder angelegt, immer wieder geweckt. Ich hab mir selbst unglaublich Druck gemacht. Was ich in dem Moment gebraucht hätte? Eigentlich nur Zuspruch, ein nettes Wort, dass hätte wahrscheinlich schon gereicht.

Vier Tage nach Geburt kam der Milcheinschuss. Ich konnte stillen. Jetzt mussten wir nur noch zusammenfinden und dann stand der Stillbeziehung nichts mehr im Weg.

Entlassgespräch

Sechs Tage nach Kaiserschnitt wollte ich nach Hause. Zu Hause war der Liebste, der sich rund um die Uhr um mich kümmern konnte. Dort haben wir Ruhe.

Die Ärzte stimmten zu. Es stand nur noch das Entlassgespräch mit dem zuständigen Arzt an. Dieser sagte mir ganz trocken, dass ich keine weiteren Kinder kriegen sollte, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine nächste Schwangerschaft nicht überleben würde sei sehr hoch. Wie unsensibel kann man sein? Natürlich dachte ich noch nicht gleich an ein weiteres Kind, aber solchen Mist einer jungen Mama an den Kopf zu knallen ist einfach nur unnötig. In dem Moment habe ich das ja auch geglaubt. Jetzt weiß ich das es Quatsch ist. Aber damals war das ein Unding und ich frage mich noch heute, wieso Ärzte in ihrer Ausbildung nicht mehr Gesprächsführung lernen. Das bräuchten ganz viele ganz dringend.

Zu Hause…

wurde ich ganz liebevoll empfangen und vom Liebsten sehr verwöhnt! Ich habe mich wirklich sehr schnell vom Kaiserschnitt erholt und hatte auch sonst keine weiteren Beschwerden.

Leider sollte ich auch bei der zweiten Geburt kein Glück haben. Hier geht es weiter!

Eure

Lila♥

(P.S. Dieser Beitrag macht mit beim Geburtsbericht-Marathon von natürlich-frausein.)

11 Kommentare zu „HELLP – Dramatisches Ende meiner 1. Schwangerschaft

  1. Hi du, ach Mensch als ich das gelesen habe, kam auch ganz schnell die Gänsehaut. Es tut mir leid, dass du auch so etas erleben musstest und aber so stark warst uns sogar noch ein 2. und 3. Kind bekommen hast bzw bekommst! Das ist toll! Mut wird belohnt! Mir ging es ja leider auch so. Ich hatte bei den Zwillingen auch Vergiftung und HELLP und konnte sie eine Woche nicht sehen. Aber auch wir haben uns ein 3. Kind „getraut“ 🙂 und Alles ist gut.Darüber hatte ich vor ein paar Wochen auch berichtet und habe versucht allen Mamas Mut zu machen. lg von Michaela http://www.mamablog-mamamichi.com

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  2. So einen Start wünsche ich wirklich keinem. Aber toll, das Du Dich nicht entmutigen ließt und noch weitere Kinder bekommen hast/ bekommst. Ich hatte zwei Kaiserschnitte, einen Notkaiserschnitt (nicht so dramatisch wie bei Dir, aber auf einmal brach die Hektik aus und schwups- lag ich im OP) und einen „Wunschkaiserschnitt“. Wobei ich das Wort doof finde, gewünscht habe ich mir das sicher nicht, aber anders war es für mich nicht möglich. Und all dem ganzen Druck, der auf Müttern lastet, alles perfekt zu machen und perfekt zu gebähren – da habe ich mich schnell von losgesagt. Ich habe zwei wunderbare Kinder, gesund und munter. Und obwohl ich nicht gestillt habe, sind beide Allergiefrei und auch ansonsten kompletter Durchschnitt in Entwicklung und Verhalten. Und das zählt am Ende. Das es allen gut geht.

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