Schwangerschaft

Angestrebter VBAC – Mein 2. Geburtsbericht

Nach meiner ersten dramatischen Geburt habe ich mir in meiner zweiten Schwangerschaft eine natürliche und schöne Geburt gewünscht. Ich wollte auf keinen Fall noch einen Kaiserschnitt, nicht wieder im OP liegen oder gar auf die Intensivstation. Dafür habe ich einige wichtige Entscheidungen getroffen.

Neuer Arzt – andere Klinik

In der Schwangerschaft habe ich mir einen anderen Gynäkologen gesucht. Entschieden habe ich mich für die Ärztin die auch meinen ersten Kaiserschnitt durchgeführt hat. Mittlerweile war diese in einer Praxis tätig und hat mich gerne aufgenommen. Da habe ich erst gemerkt wie wichtig auch der passende Arzt ist. Wenn die Chemie stimmt und man sich richtig wohl fühlt, kann man auch alles besprechen. Alle Ängste, alle Sorgen! Meine Gynäkologin hat mich von Anfang an in der Entscheidung eines VBAC (vaginal birth after caesarean section – Vaginalgeburt nach Kaiserschnitt)  unterstützt.

Aber das reichte nicht. Auch die Klinik muss hinter mir stehen. Die erste Klinik, die in der auch der große Bruder zur Welt kam und die in der ich arbeite, war gar nicht so angetan von dem Wunsch nach einer natürlichen Geburt. Beim Vorgespräch wurde mir mitgeteilt, dass ich maximal bis zum ET Zeit habe, sollte das Baby bis dahin nicht von alleine kommen wird es definitiv geholt. Das heißt ich hätte einen Kaiserschnitt am Entbindungstermin bekommen. Das wollte ich nicht, also war klar, dass ich in ein anderes Krankenhaus gehen muss.

Ich habe mich für eine kleine Klinik entschieden. Die Entfernung von zu Hause aus ist die Selbe. Alles ist viel familiärer. Sowohl die Schwestern, als auch die Ärzte sind sehr nett und hilfsbereit. Das einzige Manko – es gibt keine Kinderstation und somit auch keine Kinderärzte. Aber dem Baby ging es gut und es war nicht zu erwarten, dass eine spezielle Behandlung benötigt wird.

Die Schwangerschaft

Ganz so unkompliziert wie beim großen Bruder war die Schwangerschaft leider nicht. Es war ein unglaublich heißer Sommer und ich hatte sehr mit Ödemen zu kämpfen. Die Schmerzen in den Beinen waren teilweise wirklich unerträglich. Die letzten Wochen vor ET konnte ich mich kaum noch bewegen. Alles war auf die doppelte Größe angeschwollen. Ich sah wirklich furchtbar aus und ich hatte Angst, dass das HELLP-Syndrom noch einmal ausbrechen könnte. Das ist zum Glück nicht passiert. Der Liebste hat mir einiges abgenommen, so konnte ich mich schonen und der große Bruder war gut versorgt.

Es geht los…

Einen Tag vor dem Entbindungstermin verlor ich nachts plötzlich Fruchtwasser. Ich hatte einen Blasensprung und leichte Wehen. Gegen 5 Uhr früh sind wir in die Klinik gefahren. Die Oma kam und hat sich um den großen Bruder gekümmert. Im Krankenhaus konnte man ganz klar Fruchtwasser feststellen und eine steigende Wehentätigkeit. Ich wurde auf die Station verlegt. Der Muttermund war bei 1cm. Ich hatte also noch Zeit. Im Laufe des Tages kamen aber keine neuen Wehen dazu. Auch die Intensität veränderte sich nicht. Um nachts besser schlafen zu können bekam ich ein Beruhigungsmittel per Tropf. So konnte ich mich wenigstens ein paar Stunden ausruhen. Das war auch dringend nötig.

Am nächsten Tag wurde ich um 08:00 Uhr in den Kreißsaal gebracht. Der Muttermund war bei 3cm. Ich war guter Dinge. Die Hebamme war super nett und auch sonst war die Stimmung gut. Der Liebste saß bequem in seinem Sessel und wir waren sehr entspannt. Als sich Mittags am Muttermund immer noch nichts getan hatte, bekam ich einen Wehentropf und eine PDA. Beides hat die Hebamme entschieden. Vor allem die PDA war ihr wichtig. Nicht um mich komplett zu betäuben, sondern um mir zwischendrin eine Auszeit zu gönnen. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon sehr erschöpft. Die Schmerzen waren zwar anscheinend nicht ausreichend, aber sie waren da und ich habe sie deutlich gespürt. Auch die nächsten Stunden war kein Fortschritt zu erkennen. Abends um 18:00 Uhr war der Muttermund bei 6 cm. Endlich! Die Wehen wurden immer stärker und mir war plötzlich unglaublich warm. Ich bat darum die Klimaanlage höher zu drehen. Die Hebamme wollte sicherheitshalber Fieber messen und tatsächlich hatte ich 38,6 Grad – steigend. Es wurde die Ärztin gerufen. Nach Absprache bekam ich noch eine halbe Stunde Zeit. Das hat leider nicht gereicht. Es fiel die Entscheidung zum Kaiserschnitt.

Kaiserschnitt Nr. 2

Ich war fertig, erschöpft und unendlich traurig. So sehr habe ich mir eine natürliche Geburt gewünscht und es klappt wieder nicht. Ich kann das Gefühl gar nicht richtig beschreiben. Ich war müde und fertig und wollte mit niemandem reden. Ich habe einfach machen lassen. Ich kam in den OP und musste warten. Die PDA lies nach und ich hatte heftige Wehen, konnte mich aber nicht mehr richtig bewegen. Es war Samstagabend und es hat gedauert bis alle da waren. Die Wehen habe ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr brauchen können. Ich habe diese Minuten bis zum Kaiserschnitt als sehr quälend empfunden.

Nach einiger Zeit kam der Liebste endlich. Die PDA wurde aufgespritzt und es ging los. Anders als bei der Spinalanästhesie habe ich alles gespürt. Es tat zwar nicht weh, aber ich empfand es als unangenehm. Ein paar Minuten später wurde mein kleines Mädchen geboren. Ich durfte sie kurz in den Arm nehmen. Dann wurde sie von der Hebamme mitgenommen. Das Nähen hat so lange gedauert. Ich hatte wirklich keine Geduld in der Situation. Ich wollte da einfach nicht mehr liegen. Ich wollte bei meinem Baby sein.

Schon wieder Intensiv

Im Anschluss wurde ich wieder auf die Intensivstation geschoben. Ich hatte unter dem Kaiserschnitt Herzrhythmusstörungen und sollte eine Nacht überwacht werden. Ich selbst habe das gar nicht mitbekommen und war einfach nur genervt davon, dass so gar nichts klappen mag. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen.

Der Liebste kam mit meinem süßen Baby zu mir und ich konnte sie endlich im Arm halten. Sie war so perfekt. Das ist der Moment indem alles andere völlig egal wird. Dann ist jeder Schmerz, jede Traurigkeit vergessen.

Das Krankenhaus hat uns ein Familienzimmer angeboten. So konnte der Liebste mit Baby im Zimmer zusammen sein und zum Stillen immer zu mir auf die Intensiv kommen. Das war wirklich ein tolles Angebot, dass wir gerne angenommen haben. Der Liebste ging um seine Sachen aus dem Auto zu holen. Währenddessen kam eine Schwester und sagte, dass sie nochmal Blut beim Baby abnehmen müsste. Nur sehr ungern habe ich ihr die Kleine mitgegeben. Ich hab mich sehr darüber geärgert und das auch offen gezeigt. Sie kam aber nicht wieder. Nach einiger Zeit kam der Oberarzt und erklärte mir, dass mein Baby in die nächste Klinik auf die Neonatologie verlegt werden muss. Ein Entzündungswert im Blut war erhöht und sie benötigte Antibiotikum und eine spezielle Überwachung

Einsam

Ich konnte nichts mehr sagen. Ich war wie erstarrt und musste aber jetzt alles dem Liebsten erklären. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern wie ich es ihm gesagt habe. Ich weiß nur, dass ich ihn zu unserem Baby geschickt habe mit der Bitte sie nicht alleine zu lassen. Er fuhr mit in die Klinik.

Da lag ich nun. Eine Mama, aber ohne Baby. Ich fühlte mich unglaublich einsam und traurig. Das schlimmste war das Gefühl, dass ich mein Neugeborenes im Stich lasse. Nicht bei ihr sein konnte, wenn es ihr schlecht geht. Als Mama will man ja stark sein, man will da sein und sein Kind beschützen. Ich hab mich so unglaublich leer gefühlt.

Der Liebste war die ganze Nacht bei ihr und hat mich auf dem Laufenden gehalten. Das Blutbild war in der Klinik in Ordnung. Warum es jetzt erst so schlecht war und dann wenige Zeit später wieder viel besser konnte uns keiner erklären. Die Hebamme glaubte an einen Laborfehler.

Ich habe versucht ein bisschen zu schlafen und wollte am nächsten Morgen sofort verlegt werden. Ich wurde immer wieder vertröstet, aber gegen Mittag war es dann soweit und ich wurde mit dem Krankenwagen abgeholt.

Erste Stillmahlzeit

Als ich in der Klinik ankam wurde ich in ein Nebenraum gebracht und per Rollstuhl auf die Kinderintensiv geschoben. Nach 16 Stunden durfte ich endlich mein Baby wieder sehen. Sie war am Monitor angeschlossen und sah so perfekt aus. So wunderschön. Es wurde allerhöchste Zeit für unsere erste Stillmahlzeit. Bisher hat sie die Flasche bekommen und es wollte leider nicht ganz so klappen wie ich mir das gewünscht habe.

Leider durfte sie noch nicht zu mir auf die Station, sondern musste noch einen Tag auf der Kinderintensiv bleiben. Tagsüber war ich bei ihr und habe sie immer wieder angelegt und nachts wollte ich geweckt werden um sie zu stillen. Sie sollte keine Flaschennahrung mehr bekommen. Da keiner bereit war mich runter zu fahren, musste ich selbst gehen. Also nahm ich mir einen Rollstuhl und habe diesen als Gehwagen benutzt. Ansich kein Problem, nur der Blasenkatheter störte und es war niemand bereit diesen zu entfernen. Erst auf meine Androhung, dass ich ihn mir selbst ziehe kam endlich eine Schwester.

Auch sonst war es genau so schön in dieser Kinik wie ich es noch vom großen Bruder in Erinnerung hatte. Ich lag in einem 3-Bett-Zimmer, an Schlaf war nicht zu denken und auch sonst hat sich niemand um irgend etwas gekümmert. Ich wurde nicht einmal untersucht. Und das mit frischer Bauchnaht.

Stilldrama im Stillzimmer

Und dann durfte endlich mein Baby zu mir! Ein wundervolles Gefühl! Jetzt hatten wir nur noch das Problem das meine Kleine nicht so recht an die Brust wollte. Sie hat nur geschrieen und konnte aus irgendeinem Grund nicht richtig andocken. Die Schwestern im Stillzimmer waren der Meinung, dass ich falsch anlege. Ich sollte den Kopf der kleinen in die Hand nehmen und mit Druck an die Brust halten. So dass sie nicht ausweichen kann. Für mich ist das Gewalt! Ich hab das natürlich nicht gemacht, aber so viele Mütter sind dem Rat mit einem unglaublich schlechten Gewissen gefolgt. Was ich in diesem Zimmer gesehen habe, macht mich noch heute wütend. Da sitzen junge, unerfahrene Mamas und bräuchten dringend etwas Zuspruch und bekommen schlechte Ratschläge und das ein oder andere patzige Wort. Ich empfand das so erniedrigend. Es ist erschreckend, dass man mit Patientinen in einer Klinik so umgeht.

Heimweh

Ich wollte nur noch Heim. Ich konnte mir das nicht mehr mit ansehen und mir war klar, dass es in dieser Umgebung mit dem Stillen nichts wird. Nach der U2 habe ich die zuständige Ärztin gefragt wann ich heim kann. Ihre Antwort: „Ist mir doch egal.“ Dieser eine Satz spiegelt alles wieder was ich mit dieser Station in dieser Klinik verbinde. Ignoranz und Respektlosigkeit auf ganzer Linie. Ich entschloss also zu gehen. Meine Antwort: „Dann gehe ich jetzt.“ Ich telefonierte mit dem Liebsten und mit meiner Hebamme und als ich in mein Zimmer zurück kam lag bereits der Arztbrief auf meinem Tisch. Es gab kein Abschlussgespräch, keine netten Worte.

Zwei Jahre später bin ich immer noch unglaublich enttäuscht und wütend darüber wie es überhaupt möglich sein kann, dass eine große Klinik die für Menschlichkeit und Miteinander wirbt derart mit jungen Müttern umgeht. Frauen wird jegliche Kompetenz im Umgang mit ihren Babys abgesprochen. In einer Zeit in der man eh schon sehr sensibel ist, kann das die Beziehung zum Kind so sehr belasten. Ich hoffe, dass ich nie wieder auf diese Station muss. Allein schon aus diesem Grund war meine Familienplanung nach zwei Kindern eigentlich abgeschlossen.

Es gibt natürlich auch viele erfolgreiche VBAC. Einen schönen Beitrag dazu findet ihr zum Beispiel hier oder auch hier bei hierkommtmama.

Vielen Dank an alle die tatsächlich den ganzen langen Text gelesen haben!

Eure,

Lila♥

(P.S. Dieser Beitrag macht mit beim Geburstbericht-Marathon von natürlich frausein.)

 

7 Kommentare zu „Angestrebter VBAC – Mein 2. Geburtsbericht

  1. Oh Mann! Was für eine grausame Vorstellung. Wie kann man auf einer Wochenbettstation und in einem Stillzimmer arbeiten und so sein? Furchtbar! Ich bin wirklich entsetzt!
    Aber auch die Vorstellung, direkt nach der Geburt so viele Stunden vom Baby getrennt zu sein – du Arme! Ich drück dich mal ganz fest!

    Gefällt 1 Person

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