Schwangerschaft

Der 3. Kaiserschnitt – Geburt des Babysohns

Die Planung

Mein größter Wunsch war immer eine natürliche Geburt zu erleben. Leider hat das beim ersten und zweiten Mal nicht geklappt. Ich hatte die Hoffnung, dass es vielleicht jetzt nach zwei Kaiserschnitte für mich möglich ist. Grundsätzlich spricht nichts dagegen einen VBAC II zu wagen. Die Rupturgefahr ist nicht höher als nach einem Kaiserschnitt.

Und dennoch habe ich mich dagegen entschieden. Zum einen hätte ich für den Versuch  in eine andere Klinik gehen müssen. Das wollte ich auf keinen Fall. Zum anderen war mein größter Wunsch einfach mein Baby bei mir haben zu können. Ohne Drama, ohne viel Aufregung. Ich habe hier für mich die beste Chance beim Kaiserschnitt gesehen. Auch meine Gynäkologin und meine Hebamme waren dieser Meinung.

Geplant war eine Kaisergeburt, d.h. dass im OP das Tuch aufgedeckt wird, so dass die Frau mitpressen und die Geburt des Kindes bewusst miterleben kann. Der Blick ist dabei ähnlich dem einer vaginalen Geburt. Natürlich wird der Schnitt gut abgedeckt. Für mich hörte sich das nach viel mehr Selbstbestimmung an und das Krankenhaus war in dieser Art des Kaiserschnitts routiniert. Ich habe mich also dafür entschieden. Auch der Bericht von Jessi von Terrorpüppi über ihre Kaisergeburt machte mir Mut.

Stichtag

03:00 Uhr Der große Bruder hustet und ich werde wach. Ich bin erst nach 23:00 Uhr ins Bett und konnte nur ein bisschen schlafen. Ich wecke den Liebsten damit ich nicht aufstehen muss. Der kleine Wirbelwind schläft ganz friedlich neben mir. Zwar wieder komplett quer im Bett, aber an wenig Platz ist man ja nach all der Mamazeit gewohnt. Ich trinke etwas und versuche wieder einzuschlafen.

06:30 Uhr Ich stehe auf und kuschel mich zum großen Bruder ins Bett. Diese Kuschelzeit vermisse ich sehr. Durch den kleinen Wirbelwind wurde die gemeinsame Zeit immer weniger und jetzt wahrscheinlich wieder. Das stimmt mich wehmütig.

07:00 Uhr Wir stehen beide auf, machen uns fertig und gehen runter. Das Frühstück steht schon auf dem Tisch. Ich darf leider nichts essen und nichts trinken. Vor allem trinken ist wirklich eine Qual. Ich habe jetzt schon so Durst und frage mich wie mein Kreislauf das bis 12:00 Uhr mitmachen soll. Die Kinder essen und machen dabei viel quatsch. An einem normalen Tag nervt mich das immer ein wenig, doch heute nicht. Heute genieße ich es. Eigentlich doch wirklich verrückt, dass erst in solchen Momenten so vieles egal wird. Das müsste im Alltag auch so sein. Das muss ich ändern!

07:50 Uhr Wir bringen die Kinder gemeinsam in den Kindergarten. Den kleinen Wirbelwind verwirrt das sehr, denn der Papa kommt eigentlich nie mit. Der Abschied von den Kindern ist wie immer sehr schnell. Beide gehen gerne in den Kindergarten und halten gar nichts von viel küssen und kuscheln. Es gibt ein kurzes Bussi und beide Kinder rennen rein. Bei mir bleibt ein ganz bedrückendes Gefühl. Ich vermisse sie schon jetzt sehr. Ich hasse es von meinen Kindern getrennt zu sein. Sie werden heute von der Oma abgeholt und bleiben dann bis morgen früh dort. Für beide ist das kein Problem.

08:10 Uhr Ich müsste mich eigentlich fertig machen. Ich will noch in die Dusche, denn wer weiß wann ich da wieder dazu komme. Ich muss auch nochmal meine Tasche durchschauen. Warum hat man eigentlich immer das Gefühl etwas vergessen zu haben? Ich brauche noch etwas Zeit. Eigentlich war ich enttäuscht, dass ich erst so spät am Tag meinen OP-Termin habe doch jetzt hätte ich gerne noch viel mehr Zeit. Vielleicht ein paar Wochen? Ich setze mich auf die Couch und lenke mich vor dem Fernseher ab.

08:45 Uhr Jetzt muss ich mich aber wirklich beeilen. In 45 Minuten müssen wir los.

09:30 Uhr Wir steigen ins Auto. Das Krankenhaus ist nur 10 Minuten entfernt. Um 10 Uhr soll ich mich auf der Station melden. Wir sind also sehr gut in der Zeit. Die Aufregung steigt. Ich will gar nicht wissen wie mein Blutdruck ist.

09:40 Uhr Es regnet. Ich frage mich ob das ein gutes Omen ist? Der Liebste fragt sich eher, ob ich jetzt komplett durchdrehe.

10:00 Uhr Wir melden uns auf der Station. Die Zimmer sind alle belegt und wir müssen warten. Ich werde an diesem Tag noch sehr viel warten müssen. Irgendwie bin ich das nicht mehr gewohnt – sitzen und warten.

10:15 Uhr Ich habe ein Zimmer. Auf meinem Bett liegt bereits der OP-Kittel bereit. Ich ziehe mich um und ein letztes CTG wird geschrieben. Ein komisches Gefühl. Das letzte Mal die Herztöne des kleinen Babysohns so zu hören.

11:00 Uhr Wir sind beide sehr aufgeregt. Aber der Liebste wohl noch um einiges mehr als ich. Zumindest kann er keine Sekunde ruhig stehen. Die zuständige Hebamme kommt und ich bin erleichtert. Es handelt sich nämlich um meine Hebamme für die Wochenbettbetreuung. Bei ihr fühle ich mich gut aufgehoben. Sie versucht mich zu beruhigen und wird dann in den OP zu einer anderen Sectio gerufen.

11:45 Uhr Ich habe Durst! Es ist so unglaublich warm im Zimmer und ich würde so gerne etwas trinken. Das darf ich dann auch – nämlich einen Saft zur Neutralisierung der Magensäure. Der hat so eklig geschmeckt, dass ich dann doch ein Schluck Wasser nach trinke.

12:00 Uhr Eigentlich wäre jetzt mein Termin. Das Warten nervt!

12:20 Uhr Es geht los! Ich werde in den Vorraum des OPs gebracht und vorbereitet. Ich klettere auf die andere Liege und werde vor die Tür geschoben. Da muss ich wieder kurz warten und dann geht die Tür auf. Es sind schon viele Personen im Raum. Komisch, wenn man die Gesichter nicht erkennt. Die Anästhesistin stellt sich vor und beginnt sofort mit allen Vorbereitungen. Die Armstützen werden ausgefahren. In jede Hand bekomme ich eine Kanüle für die Infusion gelegt. EKG + Blutdruckmessgerät kommen dazu. Ab jetzt piept hinter mir der Monitor und zeigt meine Vitalwerte an. Man sieht das ich sehr aufgeregt bin. Mein Puls steigt.

Ich soll mich aufsitzen. Vor diesem Moment hatte ich tatsächlich am meisten Angst. Ich bekomme die Spinalanästhesie gelegt. Erst wird mein Rücken 3x desinfiziert. Dann beuge ich mich nach vorne. Die Anästhesistin tastet meinen Rücken ab und ich spüre erst eine Nadel und dann einen tiefen Druck. Als wirklich schmerzhaft empfinde ich es gar nicht. Es ist einfach unangenehm. Kaum ist die Anästhesie fertig macht sich ein warmes Gefühl in meinem Unterkörper breit. Als ich mich hinlegen will kann ich bereits mein rechtes Bein kaum bewegen. Alles wird taub, aber nicht komplett berührungsunempfindlich, d.h. ich spüre Berührungen, aber sehr dumpf und irgendwie ganz weit weg. Komisch das zu beschreiben. Mit einem Spray wird getestet ob die Anästhesie wirkt. Mir wird kaltes Wasser erst auf den Oberkörper gesprüht und dann unten. Ich spüre beides, aber sehr unterschiedlich an Intensität.

Die Hebamme kommt und legt mir einen Blasenkatheter. Davon spüre ich nichts. Das Tuch wird hochgesteckt und ich sehe nichts mehr. Der Operateur erscheinth und fragt mich ob ich zu sehen will und ich sage „Nein“. Ich kann jetzt nicht mehr sagen warum. Es war irgendwie so ein Gefühl. Es hat sich in dem Moment so für mich richtig angefühlt. Als alles fertig vorbereitet ist darf der Liebste dazu kommen. Er ist auch komplett in OP-Kleidung neben mir. Ich hätte viel lieber sein Gesicht gesehen.

Es geht los

Die OP beginnt. Zumindest wird mir das gesagt, aber ich bekomme davon nichts mit. Ich spüre nichts. Es dauert lange. Die Schwester klärt mich dazwischen auf, dass ich viele Verwachsungen habe und sie sich viel Zeit lassen. Wir sind beruhigt. Und dann geht’s los. Es ruckelt. Ich spüre viel Bewegung. Kurz darauf hören wir das erste Schreien unseres kleinen Jungen.

13:26 Uhr Der Babysohn ist geboren!

Die Hebamme nimmt ihn entgegen und kontrolliert kurz seine Vitalwerte. Dann darf ich ihn endlich sehen. Das Gefühl kann ich nicht beschreiben. Es ist einfach so unglaublich. Leider hält das Kuscheln nur kurz und die Hebamme geht mit dem Liebsten und Baby raus. Hier beginnt das grausamste nie enden wollende Warten! Ich muss warten bis ich wieder zu meinem Sohn darf.

Mir geht es plötzlich gar nicht mehr gut. Ich bekomme Kopfschmerzen und mir wird schlecht. Das sind die Nebenwirkungen der Medikamente. Ich empfinde ein beklemmendes Gefühl und habe Angst. Die Anästhesistin bittet mir an ein Beruhigungsmittel zu spritzen. Ich stimme zu. Ich schlafe nicht, döse eher so vor mich hin. Irgendwann heißt es „Fertig“! Dann geht es wieder ganz schnell. Alle entfernen sich. Ich werde aus dem OP geschoben, auf eine andere Liege gehoben und in den Aufwachraum gebracht.

14:15 Uhr Ich muss eine Stunde hier bleiben. Ohne Baby. So will es die Anästhesie. Alles reden hilft nichts. Krankenhaus eben. Ich bin müde und versuche zu schlafen. Es gelingt mir aber nicht. Die Uhr hängt direkt gegenüber und ich beobachte den Sekundenzeiger. An dieser Stelle empfinde ich ganz viel Unverständnis gegenüber allen Wunschkaiserschnitten. Dabei bin ich mir bewusst, dass auch ich gerade eine medizinisch nicht notwendige Sectio hatte.

15:30 Uhr Die Station ruft an und fragt nach mir. Endlich darf ich zu meinem Baby! Der Liebste wartet mit ihm im Arm auf mich. Der Kleine war schon sehr ungehalten. Er wollte sofort gestillt werden! Den Rest des Tages und auch die ganze Nacht über habe ich ihn nur zum Wickeln aus der Hand gegeben. Die Krankenschwestern haben mir mehrmals angeboten ihn in das Babyzimmer mitzunehmen. Das wollte ich aber nicht. Nie wieder möchte ich diesen süßen kleinen Kerl hergeben.

Die erste Nacht war kurz. Meine Zimmernachbarin bekam ihr Baby und daher war viel Bewegung im Zimmer. Und wirklich bequem war es auch nicht so sitzend mit Baby im Arm zu schlafen. Dazu wurden auch die Schmerzen immer stärker. Ich hatte zwar Schmerzmittel bekommen, aber bis zur Schmerzfreiheit hat es nicht geholfen.

Die Tage im Krankenhaus

Am Tag nach der Geburt durfte ich das erste Mal aufstehen. Mir wurde der Blasenkatheter gezogen und ich durfte einige Schritte gehen. Die Drainage wurde erst später entfernt. Ich konnte mir die Zähne putzen und mich zumindest ein bisschen frisch machen. Am Nachmittag kamen zum ersten Mal der große Bruder und der kleine Wirbelwind ins Krankenhaus. Ganz ehrfürchtig standen sie vor dem kleinen Babybruder und haben sich erst gar nicht getraut ihn anzufassen. Der kleine Wirbelwind wollte dann aber doch bald kuscheln und das Baby mit Gummibärchen füttern. Da war mir klar, dass ich wohl jetzt etwas mehr aufpassen muss.

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Besonders schwierig war der Abschied von meinen beiden Großen. Beide haben, während ich im Krankenhaus war sehr stark damit zu kämpfen gehabt. Sie waren sehr sensibel und es gab ganz viele Tränen. Für uns alle waren das schwierige Tage. Auch ich habe meine Lieben so sehr vermisst.

Am zweiten Tag nach dem Kaiserschnitt war die U2. Der Babysohn ist gut entwickelt und es gab nicht zu beanstanden. Am vierten Tag wurde ich entlassen.

Zufrieden?

Eigentlich bin ich mit allem ganz zufrieden. Hier und da hätte sicher noch etwas besser sein können, aber so sind nun mal die Abläufe im Krankenhaus. Die Schwestern waren aber wirklich sehr freundlich und bemüht. Sowohl vom Pflegepersonal als auch von den Hebammen wurde immer wieder Unterstützung angeboten. Das Einzige was wirklich ganz furchtbar war, war das Essen. Ich konnte kein einziges Mittagessen essen, weil es derart verkocht und ungewürzt war. Da gibt es definitiv noch Luft nach oben.

Jetzt bin ich einfach nur froh, dass ich alles hinter mir habe und genieße ganz viel Kuschelzeit mit meinen Allerliebsten! Es wird wahrscheinlich die nächsten Wochen nicht immer einfach sein und wir alle müssen uns umstellen, aber ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird!

Eure

Lila♥

5 Kommentare zu „Der 3. Kaiserschnitt – Geburt des Babysohns

  1. Oh, ich fühle grade so mit dir mit. Ich hatte auch 2 ungewünschte Kaiserschnitte und dabei wollte ich nichts sehnlicher als eine natürliche Geburt erleben.
    Ich habe mich gerade so in den OP zurück versetzt gefühlt. Das einzige, was bei mir ‚besser‘ war, ist, dass ich danach immer sofort in den Kreissaal gebracht wurde und die Trennung somit nur für die Zeit des nähens war.
    Ich wünsche dir und deiner Familie alles gute und viele ruhige Kuscheltage.
    Alles Liebe, Melly

    Gefällt 1 Person

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